Sorry, ich hab nicht aufgepasst!

Nun hab ich den Schlamassel. Da sind wieder jene Symptome, von denen ich glaubte, dass sie mich nie wieder befallen. Mich erwischen zurzeit wieder leichtes Bauchkribbeln, der Wunsch einem bestimmten Menschen nah zu sein und ein verlegenes Lächeln beim Aussprechen seines Namens. Nun sitze ich hier mit diesem zarten Pflänzchen des Verliebtseins und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, denn er weiß nichts davon. Ich bin nur seine Bekannte, eine Freundin oder irgendetwas dazwischen. Ich bin mir gar nicht sicher, was ich für ihn bin.

Das letzte Dilemma mit meiner Liebe wurde zur Impfung gegen genau diese Gefühle. Ich dachte, ich wäre nun endlich immun gegen solche fiesen Erreger. Scheinbar führte dieser letzte Schmerz aber doch nicht dazu, dass ich zukünftig davon verschont bleibe. Ich gab mir seitdem so viel Mühe, dass Männer, die es hätten schaffen können, zu nah in mein Leben und mein Herz zu treten, vorne an der Schwelle stehen bleiben mussten. Und nun ist trotzdem einer unerlaubt durchgehuscht.

Was tut man, wenn das Gefühl von Freundschaft etwas Stärkerem Platz macht? Ich verstehe mich selbst nicht. Eigentlich finde ich es total schön, Männer lediglich als Freunde zu haben. Sie sind unkompliziert, ehrlich und vertragen meinen manchmal derben, leicht zum Sarkasmus neigenden Humor. Ich darf bei ihnen eben sein, wie ich bin. Diese Männerfreundschaften sind mir sehr wichtig, aber sie sollten auch genau das bleiben… Freundschaften. Die Jungs wohnen größtenteils nicht in meiner Nähe. Unsere Kommunikation beschränkt sich meist auf geschriebene oder gesprochene Nachrichten oder das ein oder andere Telefonat. Warum hab ich nicht besser aufgepasst, als mein Herz begann, bei seinen Nachrichten ein weniger aufgeregter zu klopfen? Ich hätte etwas dagegen tun müssen. Vielleicht ist es mir anfangs auch gar nicht aufgefallen. Wir wollten schließlich Freunde sein.

Gerade muss ich beim Schreiben grinsen. Was, wenn du, irgendeiner meiner Freunde, diese Zeilen jetzt liest? Wirst du überlegen, ob ausgerechnet du es bist, der seit einigen Tagen ständig in meinem Kopf und meinem Herzen herumschwirrt? Wirst du dich fragen, ob du es in meinen Nachrichten auf deinem Handy schon längst hättest erkennen können? Ich sage dir, du konntest und wirst es nicht merken, denn dieses mich selbst verwirrende Gefühl bleibt nur bei mir. Ich werde es heimlich fühlen und niemand wird davon erfahren. Auch du nicht.

Schließlich war da vor einiger Zeit diese Geschichte, in der ein Mann seine und meine Liebe kurzerhand zur Freundschaft deklariert hatte. Ich sollte mich nur noch wie eine Freundin verhalten und den entsprechenden Abstand zwischen uns halten. Das habe ich lange Zeit versucht. Aber Liebe will irgendwann rausgelassen werden. Das tat ich, als ich ihm sagte: „Ich bin nicht deine Freundin, sondern die Frau, die dich liebt.“ Aber mit dieser Liebe wollte er nichts mehr zu tun haben, also verließ er mein Leben wieder.

Du bist mir zu wichtig, als dass ich den selben Fehler noch einmal mache. Deshalb wirst du aus meinen Worten nicht herauslesen oder heraushören, wie ich für dich fühle. Du wirst nicht mein Lächeln sehen oder mein aufgeregtes Herzklopfen spüren, wenn du dich bei mir meldest. Ich werde akribisch darauf achten, dass du in mir auch weiterhin nur eine gute Freundin, eine Bekannte, nicht besonders wichtig, nicht zu nah und nie mit zu viel Gefühl siehst.

Vielleicht werde ich mich mit diesem heimlichen Lieben selbst verletzen. Aber dich aus meinem Leben wieder verlieren, würde bedeutend stärker weh tun. Deshalb schreibe ich dir auch morgen wieder nette, fröhliche, unspektakuläre Nachrichten auf den Handy…

… und nur ich allein weiß, dass ich mit jeder Nachricht einen winzigen Funken dieses warmen Feuers in mir zu dir schicke.

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